• Zukunftsmarkt! Ich bin doch nicht blöd.

    Kein vernünftiger Migrant will nach Deutschland

    Pakistanischer Flüchtling in einem Camp.

    Pakistanischer Flüchtling in einem Camp: von hier aus weiter nach Europa?

    “Ich will nach Deutschland!” Das ist die Antwort fast jeden zweiten Asylbewerbers in der EU. Oft verschiebt sich jedoch die Wahrnehmung zu “Alle wollen nach Deutschland.” Oder gar: „Alle kommen nach Deutschland.“ Das ist ebenso wie alle sonstigen PEGIDA-Glaubenssätze falsch. Wenn man zudem zwischen Flüchtling und Migrant unterscheidet lautet die Frage: Welcher vernünftige Migrant will denn schon nach Deutschland?

    Zugegeben: Dieser ketzerische Satz bedarf der Erläuterung. Zum einen wird die Wahrnehmung dadurch verschoben, dass hier nur Flüchtlinge gefragt werden, die ohnehin schon auf dem Weg nach Deutschland sind (von hier jedoch auch ggf. weiter nach England oder Norwegen wollen). Fragt man in den Herkunftsländern von Migration sieht das Traumland schon etwas anders aus: Schließlich handelt es sich ja zumeist nicht um eine freie Wahl so wie unser eins ein Urlaubsland auswählt, sondern die Wahl des Migrationszieles ist begrenzt: legal oder illegale Einreise, finanzielle Mittel für die Reise und anschließend den Unterhalt, häufig auch familiäre Bindungen und Verbindungen – und vor allem: was begrenzt, bremst oder behindert die Verwirklichung des persönlichen Lebenstraumes.

    Entscheidet sich ein Migrant mehr oder weniger freiwillig und bewusst für ein Zielland, wird dem Flüchtling die Entscheidung zum Verlassen seines Heimatlandes aufgezwungen. Auch die Prioritäten sind andere: Geht es im Fall des Flüchtlings erst einmal um kurzzeitige Sicherheit, erwägt ein Migrant eher langfristige Lebensperspektiven. Sicherlich vermischen sich auch die Faktoren je nach individueller Situation. In der Realität handelt es sich um mehrstufige, komplexe Entscheidungsprozesse.

    Im Falle der Migration sind die Überlegungen eher: Welches Land ist realistischerweise mit meinen Möglichkeiten als Migrant zu erreichen und was kann ich mir dort erhoffen?

     

    Option Deutschland?

    Versetzen wir uns für einen Moment in die Überlegung eines jungen, gut ausgebildeten Menschen eines Schwellen- oder Entwicklungslandes. Dieser hat im Regelfall studiert, spricht Englisch und will sein Lebensglück versuchen. Unter Umständen hat er in seinem Heimatland gut situierte Eltern oder eine erweiterte Verwandtschaft, die in ihn investiert (legale Einreise) – und sich natürlich mittelfristig einen return on investment erhofft, also seinen schnellen Wohlstand und Rücküberweisung auf das eigene Konto oder Geschenke wie den Farbfernseher auf Heimaturlaub. Sollte dieser junge Mann die Option Deutschland erwägen, ergeben sich folgende Negativpunkte:

    • Erwerbsverlust von ein bis zwei Jahren durch das Erlernen einer vergleichsweise komplizierten Sprache
    • Unternehmensgründung mit hohem Bürokratieaufwand und ohne staatliche Beratung
    • Bei Erfolg ein Steuersatz von 42%
    • direkte oder/und strukturelle Xenophobie, die einem den Lebensgenuß verleiden.
    • Vergleichsweise schlechte Infrastruktur (z.B. kein Breitbandinternet)

    Das Ergebnis der Überlegung für eine Migration wird sein: „Ich bin doch nicht blöd! Ich gehe nach Australien, in die USA, nach Kanada oder nach England.“ Das sind für ihn und seinen Lebensentwurf eher Märkte mit Zukunft. Oft kommt noch hinzu, dass er sich dort auf ein Netzwerk von Freunden und Verwandten abstützen kann, die viele Zuwanderer aus Schwellenländern in Deutschland nicht haben.

    Wenn also Deutschland nicht gut ausgebildete, potentiell zukünftige Leistungsträger anzieht, dann liegt das einzig an uns. Migranten folgen nur den ihnen bekannten Anreizen (incentives) – und die führen sie in andere Länder. Wir setzen die falschen Anreize, um Leistungsträger anzuziehen, die nicht nur für den Fortbestand unseres Wohlstandes und Funktionsfähigkeit des Staates, sondern vielleicht sogar für unsere eigene Weiterentwicklung benötigen.

    Aber auch weniger gut ausgebildete Migranten könnten sich schneller zu Stützen der Gesellschaft entwickeln, wenn ihnen adäquate Ausbildungsmöglichkeiten offen stehen oder auch ihre ausländische Abschlüsse einfacher anerkannt werden.

    Die Situation in den Heimatländern bewegt viele über andere Optionen nachzudenken - wir müssen die entsprechenden incentives setzen.

    Die Situation in den Heimatländern bewegt viele über andere Optionen nachzudenken – wir müssen die entsprechenden incentives setzen.

     

    Wer vernünftig ist, verlässt Deutschland

    Wer vernünftig ist, verlässt eher Deutschland: Die Zahl der Auswanderer steigt seit Jahren. Im Schnitt verlassen ca. 25.000 vor allem jung und gut qualifizierte Deutsche jährlich ihre Heimat.

    Mit anderen Worten: Wir benötigen nicht nur ein Einwanderungsgesetz, das eine schnelle Integration insbesondere auch in den Arbeitsmarkt ermöglicht, sondern auch Verbesserungen des Standorts Deutschland, die im internationalen – und nicht nur im EU-Vergleich – Anreize für Leistungsträger aus aller Welt schaffen – zum Kommen und zum Bleiben.


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